Rede von Ilse Kersten

Liebe Kunstfreunde, lieber Jan!

Viele Jahre habe ich mich erfolgreich dagegen gewehrt, daß auf meinen Ausstellungen eine Rede gehalten wurde, war ich doch der Auffassung, daß man Bilder nicht erklären, sondern nur erleben kann. Sie sollten für sich sprechen und ich dachte, Worte würden alles nur verderben. Schon gleich gar nicht hätte ich mir je träumen lassen, selbst eine Rede vorzubereiten, den Versuch zu wagen, die Bilder eines anderen Malers dem Betrachter nahe bringen zu wollen.

Bilder und …Bilder

15.Sep.2003

Der nachfolgende Text berührt nur einige Themen, die allerdings weiterer Erklärung und Ausweitung bedürfen.

Dieses Thema formulierte sich selbst während meiner Arbeit an einem Bild, das seine eigene und ziemlich eigenartige Geschichte hat. Während Ordnungsarbeiten in einer Privat Galerie (gegenwärtig Galerie Pokusa) in Wiesbaden, wo ich 2001 eine Austellung hatte, habe ich ein Bild vor dem Müllkorb gerettet. Das war eine zeitgenössische, leider ziemlich mißglückte Kopie eines holländischen Stillebens,
gemalt auf Leinen und mit sehr solidem Blendrahmen.

Relatyvismus in der Kunst

6.09.2001

Die Kunst beginnt dort, wo die Realität endet. Damit wird sie für uns jedoch nichts Irreales. In dem sie sich dem heutigen Diktat der „hypermedialen Wirklichkeit“? entgegen stellt, steht die Kunst eindeutig auf der Seite des Menschen in seinem Bedurfnis, seine subjektive, individuelle Qualität in der Verwirrung der Verallgemeinerungen, der Vereinfachungen und der ?objektiven Korrektheit? des alltäglichen Lebens zu fin-den. Sie bildet eine alternative Nische, in der sich jeder wiederfinden kann, wenn er nur dazu imstande ist.

Spalten, Risse und Schleier

Warschau 28.05.2005

Bei den vielen Versuchen der Interpretation meines Schaffens fand ich verschiedene Methoden dafür. „Rhythmus und Relativität“ als Bezeichnung für die semantisch – visuelle Struktur der Kunst definierte ich schon in früheren Texten. In anderen (z.B. im Text „Bilder und… Bilder“ stieß ich auf viele Missverständnisse, die aus der fehlerhaften Interpretation des Begriffes „Bild“ resultieren und es wurde mir bewusst, dass das Wesen meiner Arbeit auch auf dem Aufeinander legen vieler Bilder mit der Relativierung ihrer augenblicklicher Bedeutung beruht.

Relativität und Rhythmus

Neue Version 2.01.2001 von Text – 1993

Kunst beginnt dort, wo die Wirklichkeit endet.
Damit ist sie aber nicht etwa irreal oder irrelevant für uns. Denn im Vergleich zur realen Welt ist die Realität der Kunst auf einer parallelen Dimension. Kunst bezieht sich zwar auf die gleichen Gegenstände und Probleme, die auch im täglichen Leben geläufig sind, aber sie bringt diese in einen anderen Raum,
in eine andere Umgebung. Sie ändert deren Bedeutung und deren Stellenwert in unserem „Realitäts – Weltbild“.

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