Relativität und Rhythmus in der Kunst (1993)

Kunst beginnt dort, wo die Wirklichkeit endet. Damit ist sie aber nicht etwa irreal oder irrelevant für uns. Denn im Vergleich zur realen Welt ist die Realität der Kunst auf einer parallelen Dimension. Kunst bezieht sich zwar auf die gleichen Gegenstände und Probleme, die auch im täglichen Leben geläufig sind, aber sie bringt diese in einen anderen Raum, in eine andere Umgebung. Sie ändert deren Bedeutung und deren Stellenwart in unserem „Realitäts -Weltbild“. Kunst zeigt uns bekannte Sachen und Situationen und sagt: Es ist s o, wie wir es sehen, aber es konnte gleichzeitig auch anders sein, in anderen Relationen und Verbindungen.

Kunst muss nicht direkt und eindeutig wirken. Dies ist die Relativität der Kunst.

Noch wichtiger aber als die Relativität ist in der Kunst der Rhythmus.

Schwitters sagte „Was Kunst ist, wissen Sie ebensogut wie ich, es ist nichts weiter als Rhythmus.“ Ich denke, Rhythmus soll in der Kunst eine individuelle (relative) Form bekommen. Musiker nennen es „timing“. Diese Bezeichnung darf man, wie im Jazz, z.B. auch in Theater, Literatur, Film und Malerei verwenden.

Die Relativität ohne ein solches rhythmisches Netz (ohne „timing“) fliest unendlich und meistens sinnlos.

Rhythmus alleine aber kann der Kunst auch nicht viel Sinn geben. Die wenigen Künstler, die die Gabe besitzen, Rhythmus schöpferisch zu konstruieren und zu verwenden, können damit schon etwas Wichtiges und Gutes erreichen.

Um so ein Kunstwerk auf eine andere Ebene anzuheben, muss man aber wissen (verstehen), was Relativität ist.

Kunst ohne Relativität und Rhythmus ist keine Kunst

Jan Niksiński 1993

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