Relativität und Rhythmus

Neue Version 2.01.2001 von Text – 1993

Kunst beginnt dort, wo die Wirklichkeit endet.
Damit ist sie aber nicht etwa irreal oder irrelevant für uns. Denn im Vergleich zur realen Welt ist die Realität der Kunst auf einer parallelen Dimension. Kunst bezieht sich zwar auf die gleichen Gegenstände und Probleme, die auch im täglichen Leben geläufig sind, aber sie bringt diese in einen anderen Raum,
in eine andere Umgebung. Sie ändert deren Bedeutung und deren Stellenwert in unserem „Realitäts – Weltbild“.

Kunst zeigt uns bekannte Sachen und Situationen und sagt: Es ist so, wie wir es sehen, aber es könnte gleichzeitig auch anders sein, in andern Relationen und Verbindungen. Kunst muss nicht direkt und eindeutig wirken. Dies ist die Relativität der Kunst.

Noch wichtiger als die Relativität ist in der Kunst der Rhythmus. Schwitters sagte: „Was Kunst ist, wissen Sie ebensogut wie ich, es ist nichts weiter als Rhythmus…“. Ich denke, Rhythmus soll in der Kunst eine individuelle (relative) Form bekommen. Musiker nennen es ?timing? Diese Bezeichnung darf man, wie im Jazz, z.B. auch im Theater, Literatur, Film und Malerei verwenden.

Die Relativität in der Kunst ohne ein solches rhythmisches Netz (ohne „timing“) fließt unendlich und meist sinnlos. Rhythmus alleine aber kann der Kunst auch nicht viel Sinn geben. Die wenigen Künstler, die die Gabe besitzen, Rhythmus schöpferisch zu konstruieren und zu vervenden, können damit schon etwas Wichtiges und Gutes erreichen. Um so ein Kunstwerk auf eine andere Ebene anzuheben, muss man aber wissen (verstehen), was Relativität in der Kunst bedeutet.

Ist ohne Relativität und Rhythmus noch Kunst möglich? Für mich nicht.

Das ist nur eine Seite von der Kunst, aber vielleicht nur einzige, die man so konkret mit Wörter definieren kann.

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